Geiranger – ist das noch schön?

Die unzähligen Reisebusse mit all den Kreuzfahrern an Bord, die sich Tag für Tag auf der schmalen Fv 60 nach Briksdalen wiederfinden, lassen uns ahnen, was uns auf dem Weg zu unserem nächsten Ziel erwarten wird. Der legendäre Geirangerfjord und an seinem Ende das Örtchen Geiranger sind unser nächstes Ziel. Für die Anreise dorthin gibt es mehrere Optionen und wir entscheiden uns letztlich für die Anfahrt nach Hellesylt und von dort weiter mit der Fjordfähre nach Geiranger. Die Fahrt in den Fjord hinein ist der selbe Weg, den auch die Reisenden auf Kreuzfahrtschiffen oder den Schiffen der Hurtigruten nehmen. Nur sind die jetzt zur Mittagszeit schon längst da und bis zur Abfahrt am Abend vergehen noch ein paar Stunden. Außer unserer Fähre sind nur vereinzelt ein paar Angelboote unterwegs, wir haben den Fjord für uns allein. Die Anreise mit der Fähre in den schmalen, teilweise bis zu 300m tiefen Fjord ist wieder einmal als spektakulär zu bezeichnen. Er ist im Vergleich zu den bisher besuchten Fjorden sehr schmal, rechts und links ragen die Felswände steil empor. Vereinzelt sieht man an den Steilwänden über uns verlassene Höfe und in vier Sprachen wird uns über Bordlautsprecher erklärt, dass man kleine Kinder auf diesen Höfen früher mit Seilen angebunden hat, damit sie nicht in den Fjord stürzen. Was muss das für ein entbehrungsreiches Leben gewesen sein.

Wir passieren die berühmten sieben Schwestern, Wasserfälle mit einer Fallhöhe von bis zu 250m denen gegenüber auf der anderen Fjordseite der aus verschmähter Liebe dem Alkohol verfallene Freier seine Wasser ebenfalls in den Fjord rauschen lässt. Nicht umsonst ist der Geirangerfjord Unesco Weltnaturerbe.

Rechts die sieben Schwestern, links der Freier

Einige Biegungen weiter stellt sich mir dann allerdings die Frage, wie sich der Weltnaturerbestatus mit dem Remmidemmi vereinbaren lässt, der sich vor uns am Anleger der Kreuzfahrtschiffe in Geiranger abspielt. Bei unserer Ankunft liegen dort drei Schiffe vor Anker, eines davon hoch wie ein Wohnblock irgendwo in den Randgebieten einer beliebigen Europäischen Großstadt. Blau-graue Dieselfahnen hängen über der Bucht, der Lärm ist gewaltig. Beim Verlassen der Fähre herrscht absolutes Chaos, für uns in Norwegen eine völlig neue Situation. Offensichtlich ist es gerade die Zeit, in der die Kreuzfahrttouristen von ihren Landausflügen zurück zum Anleger gebracht werden. Der ganze Ort ist verstopft mit Reisebussen. Wir verschwenden keinen zweiten Gedanken an den Campingplatz direkt vis a vis des Anlegers und biegen direkt nach links ab Richtung Adlernest und Trollstigen. Dort hatten wir von der Fähre aus einen weiteren Campingplatz gesehen. Ebenfalls am Wasser, unterhalb der Straße zum Adlernest aber eben nicht inmitten des Kreuzfahrttrubels: Geiranger Feriesenter.

Oberhalb des Campingplatzes liegt das Grande Fjord Hotel der Familie Grande und dort kann man jeden Abend zwischen 19 und 21 Uhr mit gigantischem Blick auf den Fjord und auf Geiranger an einem Norwegischen Buffet teilnehmen. Wir reservieren für den Abend einen Tisch mit Fjordblick, immerhin waren wir während des ganzen Urlaubs noch nicht einmal auswärts essen. Bis es soweit ist richten wir uns ein, beobachten das Einlaufen des täglichen Hurtigrutenschiffes und gegen 18 Uhr auch das Ablegen der Kreuzfahrtriesen. Mit Schiffshorn, Böllerschüssen und laut schepperndem „Time to say Good Bye“ aus den Bord Lautsprechern macht sich die Vorstadtsiedlung schließlich auch auf den Weg. Bis morgen früh können Geiranger und der Fjord durchschnaufen, bevor sich die nächsten Massen in das Dorf ergießen.

Wir finden uns gegen 19 Uhr in der Bar des Grande Fjord Hotels zum Aperitif ein, bevor wir auf allerhöchstem Niveau Fisch und Schalentiere, Fleisch, Salate und nicht zuletzt der ebenso üppigen wie hervorragenden Dessertauswahl widmen. Der Service ist ebenso erstklassig wie das Essen und wir erfahren von der uns betreuenden Mitarbeiterin, dass sie bereits ihre zweite Sommersaison im Hotel verbringt, ursprünglich aber aus der Slowakei stammt. Sie will unbedingt ihre Deutsch-Kenntnisse verbessern, wären doch in diesem Jahr jetzt schon mehr Deutsche Gäste da gewesen, als während der gesamten letzten Saison. Wir ahnen, woran das liegen könnte. Schließlich hatten auch wir von dem Restaurant in einem Youtube Womoblog erfahren…. https://www.visitnorway.de/listings/restaurant-hyskje-in-geiranger/187279/

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