Die zweite Nacht ist weniger ruhig, schon früh setzt der Berufsverkehr ein. Die Feiertage sind auch in Oslo vorüber. Wir machen uns nach dem Frühstück wiederum mit dem Rad auf nach Bygdøy. Heute wollen wir das Fram-Museum besichtigen. Bygdøy ist als Museumsinsel bekannt und auf dieser Halbinsel finden sich z.B. das Norsk Folkemuseum, was heute offenbar Ziel vieler Schülergruppen ist. Entsprechend voll ist es vor dem Eingang und rund um die dortige Haltestelle für den lokalen Bus. Der Verkehr gerät unübersichtlich, was in erster Linie an den unzähligen Reisebussen mit ausländischen Touristen liegt, die weiter wollen zu einem der anderen Museen und auf dem Weg die schmalen Anwohnerstraßen im beschaulichen Bygdøy gnadenlos verstopfen.
Es gibt dort neben dem Fram-Museum, das heute unser Ziel ist noch das Wikingerschiffmuseum, das Maritim-Museum und das Kon Tiki Museum, das den Expeditionen des Norwegischen Entdeckers Thor Heyerdahl gewidmet ist. Weil wir die Ra und das Kon Tiki Floß in unserer Jugend schon einmal im Rahmen einer Ausstellung im Hildesheimer Roemer und Pelizaeus Museum gesehen haben, konzentrieren wir uns heute auf andere Norwegische Entdecker: die Norwegischen Polarforscher Roald Amundsen und Fritjof Nansen. Beide nutzten für ihre Expeditionen die Fram, um die herum heute das Museum gebaut ist. Die Fram ist das einzige Schiff, das sowohl für Expeditionen zum Nordpol als auch für die Entdeckung des Südpols eingesetzt wurde. Die Ausstellung ist sehr lebendig, abwechslungsreich und unterhaltsam. Sie spricht nahezu alle Sinne an – auch weil man tatsächlich auf der Fram bis hinunter in die Mannschaftsunterkünfte und den Maschinenraum herumläuft, selbst ausprobieren kann wie schwer die Schlitten mit Proviant uns Ausrüstung zu ziehen waren und eindrucksvoll die gnadenlose ständige Kälte am eigenen Körper erleben darf, in der die Männer unterwegs waren. Absolut empfehlenswert!
Zurück am Stellplatz verpacken wir die Räder, machen wieder alles klappersicher und brechen zu unserem nächsten Ziel auf. Heute wollen wir noch bis nach Geilo, an den Rand der Hardangervidda unserem morgigen Ziel. Unterwegs stoppen wir in Flå wo es einen Bärenpark gibt. Wir bleiben allerdings draußen, essen ein Eis und bewegen unsere Hunde außerhalb, denn die sind im Park nicht erlaubt. Und auch gerät uns der Eintritt mit umgerechnet ungefähr € 35,- pro Person etwas zu üppig. Nebenbei gibt uns die Strecke einen ersten Eindruck auf das Reisetempo, das wir in Norwegen haben werden. Zum „Strecke machen“ ist das nur bedingt geeignet und schnell wird klar, eine Fahrt von Oslo nach Bergen zum Beispiel stellt durchaus eine Tagesreise dar.
Gegen 18 Uhr erreichen wir dann nach etwa 250 Kilometern Geilo und haben noch Glück, einen Platz auf dem sehr ansprechenden „Geilo Hytter & Camping“ zu bekommen. Ein kleiner aber sehr feiner Campingplatz in absolut ruhiger Lage. Man steht auf Asphalt und hat dann ein eigenes Stück Rasen vor der Tür bevor der nächste Stellplatz anfängt. Dazu ein nagelneues Sanitärhaus, kostenlose heiße Duschen und ausgesprochen nette Betreiber. Das alles sorgt für einen rundum guten Aufenthalt, der auch nicht durch den ersten Regen in Norwegen getrübt wird.
Geilo liegt am Rande des Hallingskarvet-Nationalparks, in dem es Polarfüchse geben soll und am nordwestlichen Rand des Hardangervidda-Nationalparks. Es ist Ausgangspunkt zahlreicher Wanderrouten und im Winter ein beliebtes Skigebiet. Zudem gibt es gute Einkaufsmöglichkeiten, eine Tankstelle und mehrere Restaurants.







