Da Pfingstmontag auch in Norwegen ein Feiertag ist, war die Nacht sehr ruhig und von der nahen Schnellstraße nichts zu hören. Stadtrundfahrt auf eigene Faust war angesagt und dafür wurden die mitgeführten Fahrräder ausgeladen.
Oslo hat erfolgreich umgesetzt, was bei uns mit sorgenvoll gekrauster Stirn problem- statt lösungsorientiert zerredet wird und vor allem von Verbotsmentalität und Lobbyismus geprägt ist: in Oslo ist die „Verkehrswende“ längst Realität. Mir drängte sich zudem die Vermutung auf, dass es in der Norwegischen Sprache vielleicht das Wort „aber“ nicht gibt.
Es ist jedenfalls so, dass in Oslo die verschiedenen Mobilitätsangebote hervorragend nebeneinander existieren. Und zwar alle. Zwei Spuren für den motorisierten Individualverkehr je Richtung, wobei der bereits einen extrem hohen Anteil an Elektroautos auch im Bereich der Gewerbetreibenden aufweist. Tesla ist hier so häufig wie bei uns Golf und Polo, dazu Fahrzeuge wie der Audi e-tron, den wir bislang für ein Gerücht gehalten haben, weil er bei uns schlicht nicht vorkommt. Hinzu kommt eine Spur pro Richtung ausschließlich für den Öffentlichen Verkehr (Bus und Taxi) und als solche gekennzeichnet, je eine Fahrspur pro Richtung für Fahrräder und getrennt davon ein Fußweg. Elektro-Tretoller, bei der wir typisch deutsch, uns vor der Zulassung erst durch eine endlose Führerscheindiskussion quälen, stehen in Oslo an jeder Ecke u.a. von Voi, einem 2018 gegründeten Skandinavischen Unternehmen für Mikromobilität, das demnächst auch in Kooperation mit der Hamburger Hochbahn bei uns aktiv werden wird. Einfach buchbar über eine App. Und sie werden genutzt. Vom Anzugträger bis zur Niederländischen Touristengruppe, alle kürzen damit Verbindungsstrecken ab, auf denen es sonst kein Mobilitätsangebot gibt. Am Ziel angekommen, bleibt der Roller stehen, bis der nächste potentielle Nutzer vorbeikommt.
Das Gerüst für den Öffentlichen Verkehr in Oslo stellt das Nahverkehrsunternehmen Ruter mit Bussen, Trams und einem U-Bahnnetz. Ergänzt durch einen aktuell laufenden Feldversuch mit autonom verkehrenden Bussen, in denen jeweils 11 Fahrgäste Platz haben und die mit zwei Fahrzeugen – liebevoll Oda und Mats getauft – auf der Linie 35 im Rathausviertel verkehren. Leider nicht am 9. Juni, da haben sie technische Probleme und die Linie ist vorübergehend eingestellt. Ich bin zum ersten Mal enttäuscht aber nur leicht, wollte ich doch zu gerne mit einem der beiden ein paar Meter durch Oslo fahren. Na ja, nicht so schlimm. Wir erkunden auf unseren Fahrrädern Aker Brygge mit seinen unzähligen Waterfront-Restaurants, von denen eines einladender als das nächste ausschaut, fahren weiter zum Osloer Rathaus und von dort zur Festung Akershus, von der man einen fantastischen Blick auf das gegenüberliegende Aker Brygge, Bygdøy und hinauf zum Holmenkollen hat. Von wo weithin sichtbar die große Sprungschanze von der Wintersportbegeisterung der Norweger kündet.

Von Akershus geht es weiter durch die Stadt zur Neuen Oper, der Stefan mit seinem MTB sogar aufs Dach steigt und dem nebenan liegenden Barcode-Viertel, das seinen Namen von der Optik seiner Architektursprache hat. Nächste Station Hauptbahnhof und von dort schieben wir die Räder durch die Karl-Johan-Gate vorbei am „Storting“, dem Norwegischen Parlament zum Schloss. Der König ist zuhause, wie uns die Flagge wissen lässt. Aber jetzt müssen wir zurück und mit den Hunden ans Wasser. Ein bisschen Training entlang der Wasserkante und ein paar Runden in der Ostsee schwimmen. Abends wird der Grill angeworfen und wir sitzen noch lange draußen, denn dunkel wird es schon in Oslo nur mal kurz und das sehr spät.









