
Camping Flügger Strand war unser Notnagel, die einzige Option, die wir ziehen konnten, um nicht an Himmelfahrt – wenn alle anreisen – schon wieder den Heimweg antreten zu müssen. Und tatsächlich haben wir vorher noch einige andere Campingplätze angefragt, die aber alle ebenso ausgebucht waren wie Ahoi Camping, bevor wir am Flügger Strand anfragten.
Gut so, denn auf diese Weise haben wir eine Ecke von Fehmarn entdecken können, die uns bisher trotz vieler Aufenthalte auf der Insel nahezu unbekannt war – und „Notnagel“ ist auch wenig charmant, denn das ist der Camping Flügger Strand ganz sicher nicht.
Der Platz ist gefühlt endlos lang, von jedem Stellplatz aus ist man in wenigen Schritten am Meer oder auf dem Deich der in die eine Richtung ins Vogelschutzgebiet Wallnau führt und in die andere Richtung zum Flügger Leuchtturm.




Der Flügger Strand erlangte einige Bekanntheit, weil hier auf dem vom 4.-6. September 1970 veranstalteten Love & Peace Festival Jimi Hendrix seinen letzten Auftritt hatte, bevor er nur zwölf Tage später in London verstarb. Der Jimi-Hendrix-Gedenkstein auf der Wiese am Ende des Campingplatz erinnert daran.

In der überwiegenden Zahl und jeweils alle in der ersten Reihe am Strand oder der ersten Reihe am Deich sind die Stellplätze an Dauercamper vergeben. Alle Dauerstellplätze sind durch sehr ähnliche Konstruktionen aus Holzlatten und LKW-Planen unterschiedlicher Gestaltung und Ausführung etwa brusthoch umzäunt. Das macht funktional durchaus Sinn – während wir dort waren blies der Wind unvermindert von West in einer Stärke, die nur echten Wassersport-Enthusiasten gute Laune bereitet. Optisch wirkt das allerdings wenig einladend.
Dazwischen finden sich immer wieder Lücken auf Wiese, in denen Wohnmobile, Wohnwagen oder Zelte für kürzere Aufenthalte ihren Platz finden.
Wer sein ästhetisches Empfinden soweit im Griff hat, dass er über die Campingburgen hinwegsehen kann, erlebt einen gut ausgestatteten Platz in bester Lage inmitten einzigartiger Natur mit spektakulären Sonnenuntergängen direkt vor der Tür. Und entspannte Athmosphäre.






Die Sanitärhäuschen sind teilweise ganz neu, alle sehr gut ausgestattet, sehr sauber und mit ausreichend Ablagemöglichkeiten. Hier gilt: wer heiss duschen will, kann das gegen Einwurf kleiner Münzen tun. Dusche anhand der Nummer im Vorraum auswählen, 50 Cent einwerfen – dabei darauf achten, dass man sich die richtige Nummer gemerkt hat, ich habe zwei kleinen Mädchen zunächst verlängerten Duschspaß verschafft, weil ich zu dusselig zum Bedienen des Automaten war. Ist ja auch nicht mehr so ganz zeitgemäß.
Auch die Zufahrt und die Rezeption sind nagelneu und hier funktioniert die Zufahrt einwandfrei und sehr komfortabel durch Kennzeichenerkennung.
Was leider nicht so doll ist, ist mobiles Internet. Um ehrlich zu sein, ist es schlicht nicht vorhanden. Und wer WLAN nutzen möchte oder muss, muss sich an der Rezeption ein kostenpflichtiges Internetticket kaufen. Also für mobiles Arbeiten eher nicht geeignet, der Platz. Aber wir wollten ja auch Urlaub machen.
Es gibt einen kleinen Supermarkt, der mit allem versorgt, was benötigt wird. Das ist ganz nützlich, als der nächste Supermarkt in Petersdorf und damit ein ganzes Stück weit weg liegt.
Kristi´s Dünenhus heißt das Restaurant auf dem Camping Flügger Strand und das ist durchaus eine Empfehlung wert. Man sitzt sehr schön und windgeschützt auf der sonnigen Terrasse und wird mit liebevollem und herzlichem Service umsorgt. Die Küche – wir hatten Dorschfilet und Flügger Pannfisch kann sich absolut sehen lassen.




Vom Campingplatz aus hat man zwei Möglichkeiten zum Leuchtturm Flügge zu gelangen, der ein beliebtes Ziel für viele Inselbesucher ist. 90% nehmen die asphaltierte Straße vom Besucherparkplatz aus, die für den Autoverkehr gesperrt ist. Kann man machen, schöner ist aber der Weg parallel zur Wasserkante vom Campingplatz aus. Den nutzt kaum jemand, man läuft inmitten herrlicher Natur und hat einen tollen Blick auf die Fehmarnsundbrücke, die nur wenige Kilometer weiter östlich auf´s Festland führt. Der Leuchtturm kann von April bis Oktober besichtigt werden, es gibt einen kleinen Kaffeegarten um im Leuchtturmwärterhäuschen eine Ferienwohnung. Läuft man dann über die asphaltierte Straße zurück, öffnet sich der Blick auf die Orther Reede und den Hafen von Orth.

