
Über Ostern in Müden an der Aller konnte ich gleich zwei positive Neuentdeckungen verbuchen: die für mich bislang unbekannte Lifestyle-Zeitschrift „Draußen“, die sich – wie der Name schon sagt, an ein Outdoor- und Camping- affines Publikum vor allem der Bulli- und Kastenwagenszene richtet – darüber an anderer Stelle mehr und in der „Draußen“ eine kurze Notiz über die Neueröffnung von Ahoi Camp Fehmarn am 1. April. So sympathisch geschrieben, dass wir das auf unsere Liste für „da müssen wir auch mal hin“ setzten.
Als dann der nächste geplante Kurzurlaub über Stefan´s Geburtstag näher kam, den wir dieses Mal in Holland u.a. am Veluwe- und Ijsselmeer sowie auf Texel verbringen wollten, mussten wir uns der Erkenntnis stellen, dass spontan mit dem Wohnmobil irgendwohin, wo es andere auch schön finden, inzwischen nicht mehr funktioniert. Und auch wer nicht ausreichend früh vorbucht, hat kaum noch eine Chance auf schöne Plätze. Alles, was wir in Holland ins Auge fassten war hoffnungslos ausgebucht. Also Planänderung.
Da es vor allem darum gehen sollte, das ganze Wingfoil-Equipment, das coronabedingt seit einem Jahr noch relativ unbenutzt herumlag endlich seiner natürlichen Bestimmung zuzuführen, war die Alternative mit Fehmarn schnell gefunden. Und da erinnerten wir uns an den jüngst hinzugekommenen „Da müssen wir auch mal hin“ Merker. Die Idee hatten reichlich andere vor uns allerdings auch und so konnten wir nur die ersten sechs Tage dorthin, bevor wir für das lange Wochenende über Himmelfahrt nochmal umziehen mussten. Was nicht ganz einfach aber mit dem Camping Flügger Strand dann auch bald gelöst war.

AHOI Camp Fehmarn liegt auf dem Gelände des früheren Camping Fehmarnbelt in Altenteil, der nordwestlichsten Ecke von Fehmarn. Seit Jahrzehnten einer der Surfspots auf Fehmarn. Das war es dann aber auch schon mit Gemeinsamkeiten. Entstanden ist hier etwas ganz Wunderbares, eine Art Freiluft Chillout Oase für Wassersportler, deren Freunde und vor allem Familien. Den ganzen Tag pulsiert das Leben auf dem Platz, brettern Kinder in den platzeigenen Kettcars, die kostenlos ausgeliehen werden können durch die Wege. Auf fast jedem Platz gibt’s einen Hund, dafür gibt’s keine Zäune oder Hecken, alles ist offen und sogar aus der zweiten Reihe blickt man ungehindert auf die Ostsee – und die den Belt querenden Fracht- oder Kreuzfahrtschiffe. Am Strand, an den der Platz direkt grenzt dann jede erdenkliche Art von Wassersport, für die man Bretter und/oder Segel, Schirme, Wings usw. braucht. Wer das nicht tut, der angelt, hatte ich jedenfalls das Gefühl. Mir war bis dahin nicht klar, dass Angeln unter so vielen jungen Menschen eine so große Zahl an Anhängern hat.

Zurück zum Platz: wir sind mit knapp 8 Metern zu lang für die Stellplätze in der ersten Reihe, waren aber mit unserer unverstellten Ostsee-Aussicht durch die Frontscheibe auch in der zweiten Reihe bestens bedient. Strom und Wasser gibt’s auf jedem Platz. Außerdem drei Sanitärhäuschen, entweder nagelneu oder neu renoviert, piccobello sauber mit riesigen Duschen und wirklich ausreichend Ablageflächen. Münzen oder sonstwie zeitgesteuerter Zufluss warmen Wassers gibt es nicht. Wer warmes Wasser will, dreht den Hahn auf, fertig. So entspannt, wie das Konzept und die Menschen, die sich kümmern.







Direkt an der Einfahrt auf den Platz das große Empfangsgebäude, wo besagte Kettcar verliehen werden, ein Saltwater Shop und das Cafe Sand Tropez, das neben allerlei Kaffeespezialitäten, Longdrinks und anderen Getränken auch selbstgebackene Kuchen im Programm hat, der – mindestens der Rhabarberkuchen, soviel kann ich aus eigener Erfahrung sagen, sensationell schmeckt. Die Terrasse mit Blick auf die Ostsee ist einfach nur schön, so liebevoll eingerichtet und gestaltet wie alles auf dem Platz. Musikalische Untermalung a la Cafe del Mar katapultierte uns noch am ersten Nachmittag mitten hinein in die Urlaubserholung.

Es gibt außerdem einen kleinen Supermarkt, der inklusive Fehmarn-Krimis alles hat, was man zuhause vergessen haben könnte und jeden Morgen eine große Auswahl frischer Brötchen bietet. Gut, die sind jetzt nicht zu vergleichen, mit denen aus Landkirchen von Min Backstuuv aber da ist man ja ruckzuck hingeradelt, wenn man unbedingt will. Man muss ja sowieso bei Utecht vorbei, Grillgut für den Abend vorm Wohnmobil und Fehmarner Schinken für´s Brötchen einkaufen.
Nebendran im Gebäude ein Imbiss mit einer sehr umfangreichen Karte, die von Döner über Pizza zu Salaten und anderen Leckereien reicht. Die Außenterrasse war jedenfalls immer gut besucht. Nicht zuletzt noch eine Kneipe, der ich Hamburgs Wiederaufstieg in die erste Bundesliga sehr gewünscht hätte. So voll wie die am Abend des Rückspiels war, wäre da sicher eine amtliche Aufstiegsparty fällig gewesen.




Auf dem ganzen Platz finden sich unzählige kleine Details, die Ahoi Camp seinen ganz besonderen Charme verleihen. Die Duschen heißen nicht einfach Duschen, sondern AHOI Brause – na, wer kommt noch aus meinem Jahrhundert?
Mein persönliches Highlight: vor einem der Waschhäuser steht ein Kräuterhochbeet mit Minze, Petersilie, Rosmarin etc. – von dem man sich zum Kochen bedienen kann. Ein älterer Herr, einer unserer Platznachbarn, kam über´s ganze Gesicht strahlend vom Duschen zurück, weil er dort frische Minze für sich gefunden hatte. Solche Details sind es, die gute Plätze von außergewöhnlichen Plätzen unterscheiden. Wir fühlen uns übrigens vom Konzept und auch von der Lage mitten in einem Naturschutzgebiet sehr an unseren Lieblingsplatz auf Sardinien erinnert: Isola die Gabbiani mit Rupi´s Chillin´out unten am Strand in Porto Pollo. Alles sehr entspannt.

Kinder finden übrigens meiner Meinung nach ein Paradies vor – auch wenn ich über keinerlei Expertise auf dem Gebiet verfüge, außer selber mal klein gewesen zu sein. Mit einem tollen Abenteuerspielplatz, Tischtennisplatten, Bolzplatz, Fahrrad- und Kettcarverleih und einem Indoor-Spielzimmer für schlechtes Wetter, dass es ja bekanntlich gar nicht gibt. Auf Fehmarn tatsächlich nicht, das ist so schnell wieder schön, wenn es mal regnet, merkt man kaum.
Wer wie wir mit Hunden unterwegs ist, findet auf beiden Seiten des Platzes endlose Möglichkeiten für Spaziergänge, Richtung Fehmarnbelt darf der Hund mit an den Strand, insgesamt ist der Strand in Altenteil ohnehin nicht eben stark frequentiert. Das Naturschutzgebiet Nördliche Seeniederung Fehmarn bietet einen Aussichtsturm für die Beobachtung von Seevögeln in ihren Brutgebieten auf dem Markelsdorfer Huk, Radfahrer kommen hier über den Landesdeich auf die rund um die Insel führenden Radwege und damit ebenfalls voll auf ihre Kosten.
Zum Glück fährt man nach Fehmarn keine zwei Tage wie nach Sardinien und braucht auch keine Fährüberfahrt. Es ist daher sehr wahrscheinlich, dass wir uns fortan öfter sehen.





