Lillehammer – Olympia auf dem Dorf

Irgendwann wird uns das unablässige Dröhnen des Wassers denn aber doch zuviel und es treibt uns weiter die E15 durch das Ottadalen hinab. Hier kommen wir nun sehr viel schneller und bequemer voran als bisher, so dass wir eh wir uns versehen, schon in Ringebu ankommen. Wir schauen uns einen Campingplatz direkt an der E6 an, der uns zu laut ist und beschließen, einen weiteren Versuch in Richtung Rondane Nationalpark zu unternehmen. Wir nehmen dazu die Fv 27, die sich wieder schmal und in Serpentinen den Berg hinaufwindet. Es ist wenig Verkehr, einzig an einer Baustelle zur Instandsetzung der Straße wird es kurz eng. Am Rande des Venabygdfjell liegt Trabelia Hyttegrend & Camping. Hier ist es sehr einsam, der Camping liegt mitten im Wald und bietet eine gute Ausgangsposition für Wanderungen. Leider gefällt er nicht allen, weiter hinauf soll es auch nicht gehen. Dann bleibt nur eines, weiter auf der E6 Richtung Lillehammer, wo wir dann auch nach weiteren 50 Kilometern eintreffen. Eigentlich viel zu früh, denn uns bleibt noch eine ganze Woche Urlaub und die wollten wir eigentlich nicht soweit im Süden verbringen.

Zunächst nehmen wir uns aber mal die Zeit, Lillehammer kennenzulernen und sind ehrlich erstaunt. Wir hatten irgendwie erwartet, Lillehammer sei bedeutend größer. Immerhin wurden hier 1994 Olympische Winterspiele ausgerichtet. Ich versuche mir das Ereignis in diesem kleinen, schmucken und wirklich ansprechend sympathischen Ort vorzustellen. Es will mir nicht gelingen. Es gibt eine Backsteinkirche im Ortskern und dahinter einen hübschen kleinen Park. Es ist Freitag Abend und auf einer kleinen Bühne spielt eine Jazzband. Drumherum sitzen Menschen an den Tischen des Park Cafés mit einem Glas Wein oder Bier in der Sonne. Überall im Park liegen Menschen auf den Rasenflächen oder sitzen auf Parkbänken. Die Stimmung ist so leicht und wunderbar, wie sie nur in den Nordischen Ländern während der kurzen Sommer sein kann. Jeder genießt das Leben. 

Direkt hinter dem Park geht es rechts nach Maihaugen, dem Freilichtmuseum mit mehr als 200 Bauwerken aus ganz Norwegen, u.a. dem Geburtshaus von Königin Sonia. Nach links öffnet sich die Store Gatan, die Fußgängerzone von Lillehammer mit zahlreichen bunten Holzhäusern. Sie ist eher kurz, blumengeschmückt und auch hier genießen die Menschen den Sommerabend in zahlreichen Restaurants und Eisdielen mit Freisitz. Über der Stadt, die sich einen steilen Berghang am Nordende des Mjøsa hinaufzieht, liegen die Sportstädten und das ehemalige Olmpische Dorf. Weithin sichtbar die beiden Skisprungschanzen, ähnlich wie schon am Holmenkollen in Oslo, hier allerdings wirkt alles wie bei einer Miniaturversion.

Lillehammer Camping liegt am Ufer des Mjøsa und ist mehr oder minder ein großer Parkplatz mit ein bisschen grün dazwischen. Als Zwischenstopp und zum Entdecken von Lillehammer gut geeignet, Charme hat er allerdings keinen. Die Innenstadt ist von hier zu Fuß gut zu erreichen und obwohl wir uns nicht mehr in Fjordnorwegen befinden: es geht steil bergauf.

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