Ein Holzpuzzle mit 2000 Teilen

Mit der Fjordfähre von Kinsarvik nach Utne brechen wir nach dem Frühstück auf. Sie fährt stündlich und erspart uns einige Straßenkilometer. Nach Utne wären wir sonst nie gekommen und das weiße Ensemble aus Kirche und Hotel Utne im kleinen Fährhafen wäre von uns unentdeckt geblieben. So haben wir ein wenig Zeit, uns die Füße zu vertreten, bevor es von Utne weitergeht mit der Fjordfähre nach Kvanndal. In Utne lernen wir von einem Mitarbeiter der Fährgesellschaft, dass man sich immer auf der ersten Spur einreihen muss, denn die wird grundsätzlich zuerst geleert. Wir hatten, als wir bei Ankunft die Fähre aus Kinsarvik verlassen hatten, Reihe 2 eröffnet und uns dort angestellt. Beim Verladen rückten dann später ankommende Fahrzeuge, die sich in der ersten Spur einordneten beständig nach.

Der Ort Utne am Hardangerfjord
Die Fähre zwischen Kinsarvik und Utne

Über Voss geht es zunächst durch eine so idyllisch grüne Landschaft mit kleinen Holzhäusern, dass man unweigerlich an Filmkulissen denken muss. Manche Flecken entlang unserer Strecke sind so unwirklich schön, dass einem regelrecht der Atem stockt. Das liebliche, grüne lassen wir schon bald hinter uns. In steilen Serpentinen geht es auf der Rv 13 hinauf zum Vikafjell. Unterwegs treffen wir auf jede Menge Schafe, die unterhalb eines beeindruckenden Wasserfalls grasen. Weil sich eine Parkbucht als Rastplatz anbietet, steigen wir zum Fotografieren aus. Sofort sind die Autos von Schafen umringt und werden von diesen emsig abgeschleckt. Wagenwäsche und Inspektion quasi inklusive. Ob das an Spuren von Meersalz auf den Autos liegt? Wir wissen es nicht.

Inspektion und Wagenwäsche inlusive auf dem Weg zum Vikafjell

Oben auf dem Vikafjell halten wir erneut. Es ähnelt ein wenig der Hardangervidda, in der Ferne sind schneebedeckte Gipfel zu sehen. Auch hier hat es noch Schneefelder und wir machen uns mit den neu erworbenen Mützen nun noch besser geschützt mit den Hunden auf und entdecken die Aussichten rechts der Straße.

Als wir weiterfahren passieren wir das Schild „Sogn i Fjordane“. Da ist es, das Fjordland, auf das wir so neugierig sind und von dem wir so viel zu sehen hoffen. Der Blick öffnet sich und unter einem jetzt strahlend blauen Himmel sehen wir in der Ferne die Gipfel der Nationalparks Jostedalen und Jotunheimen. Hinab geht es Richtung Vik. „Vik“ bedeutet Bucht und so liegt er denn auch da der kleine Ort an einer Bucht des tiefblauen Sognefjords. An den Hängen rechts und links wachsen Kiefern und aufgrund des Klimas in der Höhe lassen sie sich damit besonders viel Zeit, was ihr Holz besonders beständig und robust macht. Ihre Vorfahren dienten vor 800 Jahren schon als Baumaterial für die Norwegischen Stabkirchen. Ganz gezielt und planvoll wählten die Baumeister bestimmte Bäume aus, auf deren Entwicklung sie sich dann bis zur „Ernte“ geduldeten.  Das alles erfahren wir unten im Tal, als wir zur Stabkirche in Hopperstad abbiegen. Gegen 30 Kr Eintritt können wir die zweitälteste Stabkirche Norwegens besichtigen. Eine Mitarbeiterin des norwegischen Denkmalschutzvereins „Fortidsminneforeningen“, der die Kirche 1880 für 600 Kr käuflich erworben hat, führt uns auf deutsch durch dieses eindrucksvolle Monument. Sie ist im 12. Jahrhundert gebaut worden von Männern, die auch die Schiffe der Wikinger gebaut haben. Das Dach ist im Prinzip ein umgekehrter Rumpf eines solchen Schiffes und auch der Eingang ist wie der in ein Wikingerschiff. Der Name Stabkirche leitet sich ebenfalls von der Bauweise ab. Die Kirche ist ohne eine einzige Schraube oder einen einzigen Nagel gebaut. Ein gigantisches Holz-Puzzle aus 2000 Teilen. Die Basis stellen Kiefernstämme dar, heute wie vor 800 Jahren genau die selben. Das sie nicht verrottet sind liegt an ihrer ungeheuren Widerstandsfähigkeit und einem steinernen Fundament, auf dem die Kirche ruht. So schwarz und unnahbar die Kirche von außen wirkt, so warm leuchtet das goldbraune und durch die vielen Berührungen glänzend gewordene Holz im Inneren. Viel Schmuck ist nicht mehr vorhanden, im Rahmen der Reformation wurden alle im Katholizismus verwurzelten Elemente aus der Kirche entfernt. Für Leprakranke gab es im Altarraum eine Luke durch die das Abendmahl nach draußen gereicht wurde. So konnten sie am Gottesdienst teilnehmen aber niemanden anstecken.

Auf dem die Kirche umgebenden Friedhof fällt auf den Gräbern immer wieder der Name Hopperstad auf. Das kann unmöglich alles eine Familie sein – obwohl… die Winter sind lang und dunkel. Wir fragen trotzdem besser nach. Und wir lernen, dass es im Tal vier große Höfe gibt. Sie alle gemeinsam tragen die Bezeichnung Hopperstad und danach heißen ihre Bewohner und damit auch die Kirche. Weiter hinten im Tal gibt es noch andere Höfe und die geben wiederum ihren Bewohnern die Namen, weshalb es vereinzelt auch noch Grabsteine mit anderen Namen gibt. 

Der Tag endet für uns auf einem schönen Campingplatz zwischen Vik und Vangnes, an dem wir direkt am Ufer des Sognefjord stehen und die Abendsonne genießen dürfen. Djurvik Camping ist für eine Zwischenübernachtung ideal, wenn es erst am nächsten Tag mit der Fähre weiter über den Fjord gehen soll.

23 Uhr – Yllåån verschläft die Ankunft der Hurtigruten

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