Prolog

07.06.2019: Es geht los. Endlich. Fast ein Jahr lang habe ich mich gefühlt durch jedes Youtube Video anderer Wohnmobilisten im Norwegen-Urlaub geclickt – manche davon von zweifelhafter Qualität und ohne jeden Informationsgehalt, die erstaunliche Mehrheit aber leistete durchaus wichtige Beiträge für unsere Reiseplanung. Manche waren sogar besser als jeder Reiseführer sein könnte. Iris und Uwes Womoblog mit dicht gepackten handfesten Informationen und brillanten 4k Drohnenaufnahmen ihrer Norwegentour 2018 gehörte zweifellos dazu. Zu fast jedem Ort, den ich in der Suche eingab, lieferte Youtube auch einen Treffer und einen oder gleich mehrere Filmbeiträge. Man kann dann ganz entspannt zuhause, mit Tee und Wolldecke an einem lausigen Wintertag auf der Couch eine Fahrt im Zeitraffer über die Hardangervidda machen oder sich als Klaustrophobiker mental auf die Durchfahrt des 25 Kilometer langen Lærdaltunnels vorbereiten, in dem man die komplette Durchfahrt schon mal am heimischen Fernseher probt. Fast nichts, was Reisende nicht schon im Bewegtbild festgehalten haben. Dazu kamen für die Recherche rund um die möglichen eigenen Ziele und wichtiger Basisinformationen zu Norwegen als Reiseland im Allgemeinen klassische Reiseführer wie „Norwegen – Handbuch für individuelles Entdecken“ von Martin Schmidt, erschienen im Reise-Know-How-Verlag oder das im Verlag Bruckmann erschienene „Norwegen mit dem Wohnmobil“ von Thomas Kliem. Im Internet besonders hilfreich waren für mich die Seiten www.nasjionaleturistveger.no zu den herausragenden Landschaftsrouten, die abseits der Hauptstraßen durch besonders reizvolle Lanschaften in Norwegen führen und www.visitnorway.de sowie verschiedene Blogs, wie http://www.nordlandblog.de oder http://www.koeln-format.de , auf dem ich u.a. einen lesenswerten Beitrag zum Aurlandsvegen gefunden habe . Auch verschiedene Facebook-Gruppen und die Hashtag-Suche bei Instagram lieferten nützliche Informationen oder Anregungen zu möglichen Etappenzielen. An Straßenkarten habe ich mich für die Auto & Freizeitkarten von Freitag und Berndt entschieden: Nr. 1 Norwegen Süd und Nr. 2 Norwegen Mitte sowie ergänzend den zugehörigen Autoatlas. All das in Summe hat im Vorfeld zu einer geplanten Route durch Norwegen von Oslo über die Hardangervidda, den Hardangerfjord nach Bergen und weiter Richtung Sognefjordregion, Jostedalsbreen, Geiranger, Vogelinsel Runde, Ålesund, Molde, Antlantikstraße, Trondheim und einer Rückreise über den Inlandsvägen durch Schweden geführt. Es sollte anders kommen, wie so manches in diesem Urlaub.

Mehr als nur ein Notnagel: der geliehene Profila RS 695

Das erste zu überwindende Hindernis war schon mal gleich kein Kleines: der Liefertermin für das im August auf dem Caravan Salon in Düsseldorf bestellte neue Wohnmobil wurde vom Hersteller beständig weiter nach hinten verschoben, bis irgendwann klar war, das wird nichts bis zur Abreise. Etwas vorschnell hatten wir seinen Vorgänger aber bereits gut verkauft. Also fehlte uns etwas, das für einen Wohnmobil-Urlaub von entscheidender Bedeutung ist: ein Wohnmobil. Zum Glück hatten wir bei Bestellung bereits alle Resisedaten fix benannt und noch dazu Bekannte im Schlepptau, die sich für eine allererste Wohnmobil-Erfahrung mit einem gemieteten Auto an unsere Reise angehängt hatten. Absagen oder Verschieben waren also keine Option. Reisemobil-Hersteller aber vor allem unser Reisemobil Händler MP Reisemobile in Gießen fanden mit uns eine Lösung, die sich in Form eines nagelneuen Euramobil Profila RS 695 zwei Tage vor Tourstart leihweise in unserer Einfahrt einfand. Jetzt musste nur noch aus den Umzugskartons mit sämtlichem Wohnmobil-Inventar, das zuhause im Keller auf den Einzug des neuen Reisebegleiters wartete, das tatsächlich benötigte Equipment herausgefiltert und in das vorübergehende mobile Zuhause verstaut werden. Hier mussten wir uns in ungewohnter Bescheidenheit üben. Ein Womo mit 3,5t reisefertig zu beladen erfordert deutlich mehr Fingerspitzengefühl, als bei einem Fahrzeug mit einer guten Tonne mehr zulässigem Gesamtgewicht. Am Ende war alles, was wir brauchten, einschließlich zweier E-MTB an Bord und auch die Bedenken, zwei Erwachsene und zwei mittelgroße Hunde mit dem überschaubaren Platzangebot drei Wochen lang zu konfrontieren, zerstreuten sich schnell. Auf die Waage haben wir uns allerdings ehrlicherweise nicht getraut. Warum der Profila RS 695 für uns mehr als nur ein Notnagel wurde, erzähle ich separat.  Denn jetzt geht`s nun wirklich endlich los: am Freitag, dem 7. Juni 2019 um 20:00 Uhr starteten wir südlich von Kassel in die ersten Kilometer Richtung Norden. Um am Samstag, Pfingstwochenende, nicht mehr alle auf der A7 zu bewältigenden Kilometer fahren zu müssen.

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